Ein Ökosystem in unserem Körper

Das kleine Verdauungs 1x1

Irgendwie sprechen viele darüber. Es gibt verschiedene Tipps zur Verdauungsförderung. Aber was genau ist denn eigentlich Verdauung und was kannst du tun, um deinen Verdauungstrakt so richtig auf Vorder*frau zu bringen?

 

Um es am Anfang so einfach wie möglich darzustellen: Bei der Verdauung wird die aufgenommene Nahrung zerkleinert. Die kleinen Bausteine gelangen im Anschluss über die Darmwand ins Blut und werden so an die verschiedenen Baustellen im Körper transportiert.

 

Oft wird bei der Verdauung an Magen und Darm gedacht. Aber die Verdauung beginnt bereits im Mund. Um das zu verdeutlichen, habe ich dir eine einfache Übersicht erstellt:

Im Mund beginnt die Stärke-Verdauung durch das Verdauungsenzym α-Amylase. Das kannst du sogar testen. Kaue lange auf einem Stück Brot & du wirst einen süßlichen Geschmack wahrnehmen.

 

Da der Magen ein Hohlorgan ist, passt er sich schnell der Nahrungsaufnahme an. Im Magen kommt der sogenannte Intrinsic-Faktor ins Spiel. Dieses Protein ist für die Vitamin B12-Aufnahme zuständig.

 

Der Dünndarm ist der Hauptverdauungsort. Von hier gelangen alle wichtigen Nährstoffe über das Blut dorthin, wo der Körper sie benötigt.

 

Im Dickdarm lebt unser Mikrobiom, welches für unsere Gesundheit ausschlaggebend ist. Mehr dazu weiter unten.

 

 

Übrigens ist die Dauer der Verdauung von verschiedenen Faktoren abhängig. Im Schnitt dauert sie etwa 24 Stunden. Die Nahrung verweilt rund 2-4 Stunden im Magen. Eine sehr fettreiche Speise kann schon mal sechs Stunden im Magen chillen. Im Dünndarm verweilt sie dann nochmals sechs Stunden, im Dickdarm bis zu sieben. Bevor du zur Toilette gehen musst, wartet der Nahrungsbrei nochmal sechs Stunden im Mastdarm (kurz vor deinem After).

 

Kohlenhydratreiche Nahrung wie Obst wird am schnellsten verdaut, während fettreiche Nahrung wie Fleisch relativ lange braucht.

Ein Ökosystem in deinem Körper

Vom Mikrobiom haben die meisten mittlerweile schon gehört. Aber was ist das eigentlich?

 

Das Mikrobiom ist die Gesamtheit aller Mikroorganismen, die in unserem Körper leben. Und das sind mit rund 50 Billionen verdammt viele. Das Mikrobiom macht etwa 2kg unseres Körpergewichts aus. Ich finde die Vorstellung echt abgefahren. Diese Mikroorganismen werden unterteilt in Bakterien, Viren und Pilze.

 

Es kommt übrigens nicht von irgendwoher, dass wir sagen „Das schlägt mir auf den Magen“. In unserem Darm befindet sich aufgrund unzähliger Nervenbahnen eine Art zweites "Gehirn". Dieses reagiert auf Stress, Angst und Nervosität. Wenn du diese Emotionen spürst, wird auch dein Verdauungstrakt mehr oder weniger darauf reagieren.

 

Innerhalb unseres Lebens ist das Spektrum der Mikroorganismen relativ konstant. Kann aber z.B. durch eine Ernährungsumstellung verändert werden. Die Zusammensetzung des Mikrobioms ist abhängig von Genetik, Alter, Ernährung und vom allgemeinen Gesundheitszustand. Bestimmte Erkrankungen und die damit einhergehende Medikamenteneinnahme können das Mikrobiom aus der Balance bringen.

 

Die meisten Mikroorganismen befinden sich in unserem Dickdarm und dort beeinflussen sie direkt unseren Stoffwechsel. Die kleinen "Tierchen" haben einen eigenen Stoffwechsel. Bei diesem entstehen z.B. aus nicht aufnehmbaren Zuckern Fettsäuren, welche unser Körper dann wiederum aufnehmen und nutzen kann.

 

 

Mikrobiom-Pflege oder was du tun kannst

Die schlechten News am Anfang: Wir werden schneller krank, wenn unser Mikrobiom aus dem Gleichgewicht geraten ist. Denn unser Immunsystem sitzt vor allem im Darmbereich. Die gute Nachricht: Dagegen kannst du durch einen gesundheitsfördernden Lebensstil präventiv handeln.

 

Da sind wir auch schon beim Thema. Studien belegen, dass sich die pflanzlich vollwertige Ernährung mit vielen Ballaststoffen positiv auf die Zusammensetzung unserer Darmflora (=Mikrobiom) auswirkt. Nach einer Ernährungsumstellung ist bereits nach wenigen Tagen eine deutliche Veränderung erkennbar.

 

Bei einer mischköstlichen Diät, in welcher regelmäßig tierische Produkte konsumiert werden, vermehren sich proteinliebende Bakterien. Bei der pflanzlichen Ernährung kommt es zum Anstieg der kohlenhydratliebenden Bakterien. Letzte lieben Zucker und bauen diese in gesundheitsfördernde Fette ab.

 

Unser Mikrobiom hat Einfluss auf die Entstehung von Übergewicht/Adipositas, Diabetes mellitus Typ 2, rheumatoide Arthritis, Autismus und entzündliche Darmerkrankungen bis hin zu Darmkrebs. Auch Allergien und Asthma können durch die Bakterienzusammensetzung positiv, aber auch negativ beeinflusst werden.

 

Jetzt zur wichtigsten Frage: Wie kannst du deinem Mikrobiom was Gutes tun?

Besonders positiv wirken sich Lebensmittel wie Nüsse (speziell Walnüsse), dunkle Schokolade, Haferflocken und Hülsenfrüchte auf deine Darmflora aus.

 

Außerdem solltest du regelmäßig Pro- und Präbiotika zu dir nehmen, welche die gesundheitsfördernden Mikroorganismen vermehren bzw. nähren. Und zu guter letzt vergiss nicht ausreichend Wasser zu trinken und dich täglich zu bewegen.

 

Sind deine Mikroorganismen glücklich?

Im Normalfall merkst du, wenn dein Darm Probleme macht. Regelmäßige Verstopfung oder Durchfall sind ein Indiz, das etwas nicht im Reinen ist. Auch ständige Blähungen oder Krämpfe sind nicht der Normalfall.

 

Falls du es ganz genau wissen möchtest, kannst du einen Stuhltest machen lassen. Diesen kannst du bei deinem/deiner Hausärzte*in anfragen oder du schaust mal bei Cerascreen vorbei [unbezahlte Werbung]. Bei dem Darmflora Test kannst du ganz genau rausfinden, welche Bakterien sich in deinem Körper tummeln.

 

Kümmere dich in jedem Fall um deine kleinen Mitbewohner*innen, denn sie können dir das Leben deutlich einfacher und länger machen, als wenn du ihnen keine Aufmerksamkeit schenkst.

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0