Die schönsten veganen Mythen

Es gibt schon viele dieser Artikel. Ich finde sie immer wieder spannend. Deshalb gibt es jetzt auch einen von mir zum Thema vegane Mythen. Nimm einige Aussagen bitte mit etwas Ironie. Ich möchte niemanden persönlich angreifen, kenne es aber aus eigener Erfahrung, dass ich häufig verbal angegriffen werde, sobald es um meine Ernährungsweise geht. Falls du immer noch auf Aussagen triffst, die dem Veganismus den Wind aus den Segeln nehmen möchten, lies unbedingt weiter. Die meisten Argumente sind nämlich schlichtweg falsch. Damit du für die nächste Diskussion bei der Familienfeier gewappnet bist, kläre ich hier die meist verbreiteten Mythen auf.

 

Auf Aussagen wie "Pflanzen haben auch Gefühle" und "Menschen sind von jeher Fleischesser" gehe ich nicht weiter ein. Wenn euch diese Themen aber keine Ruhe lassen, empfehle ich "Zentrales Nervensystem bei Pflanzen" oder "Reißzähne beim Menschen" in die Suchmaschine deiner Wahl einzugeben ;-) 

1. Veganer sind Extrem

Wenn ich diese Aussage höre, tut mir das fast schon körperlich weh.

Ich möchte hier niemandem die Illusionen nehmen, aber ist es extrem, wenn wir uns auf unsere moralischen Grundsätze besinnen? Wenn wir nicht möchten, dass andere Lebewesen für uns leiden und sterben müssen? Ich würde mal behaupten, dass kein Mensch, es genießt dabei zuzusehen, wie ein Schwein bei lebendigem Leibe in kochend heißes Wasser getaucht wird oder gerade geschlüpfte Küken in eine Schreddermaschine geworfen werden.

Was eindeutig extrem ist, ist die Industrie, welche eine Welt voller Leid, Krankheit und Tod geschaffen hat. Ich verurteile niemanden, der tierische Produkte isst. Wenn meine Lebensweise allerdings als extrem betitelt wird, sollte sich der Redende über diesen Satz tief gehend Gedanken machen. Aufklärung über das, was hinter verschlossenen Türen passiert, ist unglaublich wichtig. Bei etwa 150 Milliarden getöteten 

Tieren pro Jahr, sollten wir eine Stimme für die sein, die keine haben!

2. Veganer machen "Fleischessern" ein schlechtes Gewissen

Letztendlich ist es so, dass es nervige und weniger nervige Menschen auf dieser Erde gibt. So ist es auch bei den vegan lebenden Menschen. Sicher gibt es da welche, die den ganzen Tag nur mit Vorwürfen um sich werfen. Aber in den allermeisten Fällen klären Veganer nur dann auf, wenn sie direkt auf ihre Lebensweise angesprochen werden.

Bei mir persönlich ist es so, dass ich, wenn Fragen kommen, gerne berichte und wenn nötig auch diskutiere. Es ist mir wichtig, andere zu inspirieren und bei ihnen mehr Bewusstsein zu schaffen. Ich möchte aber nie irgendjemandem ein schlechtes Gewissen einreden. Meist kommt das schlechte Gewissen deshalb, weil Nicht-Veganer merken, dass Handlung und Moralvorstellung bei ihnen nicht übereinstimmen. Veganer sind quasi die indirekte Erinnerung daran, dass man eigentlich etwas ändern sollte, es aber aus Bequemlichkeit oft nicht tut.

3. Veganer essen nur Gras

Da möchte ich gar nicht allzu tiefgründig abtauchen. Eine rein pflanzliche

Ernährung ist total vielfältig. Es gibt Unmengen an Obst, Gemüse,

Hülsenfrüchten, Getreide, etc., die ich persönlich als Mischköstlerin

nie gegessen habe. In den meisten Fällen erweitert sich das Spektrum

an Lebensmitteln nach einer Umstellung.

 

Das Internet ist voller wunderbarer Inspiration für die einfachsten bis 

ausgefallensten Rezepte. Zusätzlich gibt es tolle Kochbücher. Ich freue

mich, wenn du auf meiner Instagram Seite vorbei schaust, dort gibt es

jede Woche ein neues Rezept. Gras war da bisher nie eine gewichtige 

Zutat...

4. Veganer zerstören den Regenwald

Falscher kann eine Aussage gar nicht sein! Wenn schon denn schon, sind Veganer die Menschen, die dem Regenwald am wenigsten schaden.

Du willst Zahlen? Kannste haben: Mehr als 70% der landwirtschaftlich genutzten Flächen werden für den Anbau von Futtermitteln bzw. als Weideflächen für die Tierhaltung genutzt. Veganer haben also prinzipiell nur mit den restlichen 30% zu tun, so wie auch jeder Mischköstler.

Ich muss immer wieder schmunzeln, wenn ein Nicht-Veganer in einer hitzigen Debatte, behauptet, dass ich täglich Soja esse und somit die Abholzung des Regenwalds fördere. 1. Nein, ich esse nicht täglich Soja. 2. Falsch, denn rund 90% des in Regenwäldern angebauten Soja landet in den Futtertrögen der Tiere, die Nicht-Veganer dann verspeisen.

Die Sojaprodukte, die wir Menschen direkt konsumieren, werden übrigens meist in Deutschland oder Kanada angebaut. Exklusive Gentechnik.

5. Veganen Männern wachsen Brüste

Nein, nein und nochmals nein! Soja macht keine Brüste. Sonst hätten alle Veganerinnen riesige Hupen.

Schuld an diesem Mythos ist das wichtigste weibliche Sexualhormon: das Östrogen. Soja enthält Phytoöstrogene, welche den Östrogenen strukturell ähnlich sind, aber ganz andere Eigenschaften aufweisen. Das ist wissenschaftlich mehrfach geprüft. Good to know: Östrogene sind vor allem in Eiern, Milch und Öl.

Liebe Männer, falls ihr Angst habt, eure Männlichkeit durch eine pflanzliche Ernährung aufgeben zu müssen: Die Spermabewegung wird durch Milchkonsum deutlich verlangsamt.

6. Vegan leben ist so teuer

Meine Antwort darauf: Jein.

Veganer #1 isst regelmäßig Sojaschnitzel, Seitanburger, Cashewkäse und Kokosjogurt.

Veganer #2 greift lieber auf Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Getreide, Nüsse und Samen zurück.

Was denkst du, welche Variante ist die teurere? Bingo! Umso mehr Ersatzprodukte du kaufst, desto teurer dein Einkauf. Das liegt ganz einfach daran, dass diese noch nicht so eine hohe Nachfrage haben, wie "normaler" Käse & Co. Noch dazu sind die pflanzlichen Ersatzprodukte oft qualitativ hochwertiger, was Ressourcen und Anbau betrifft.

Mein Mann und ich geben seit unserer Ernährungsumstellung geringfügig mehr Geld aus, obwohl wir Veganer #2 verkörpern. Wir achten vermehrt darauf, dass unsere Lebensmittel aus biologischem Anbau stammen und wir kochen ganz einfach viel viel mehr als vorher.

 

Übrigens oft höre ich, dass es außerhalb der Großstadt gar nicht möglich sei, sich vegan zu ernähren. Ich komme ursprünglich selber aus einer Kleinstadt und weiß, dass es auswärts in der Tat nicht immer einfach ist. Veganer #2 kommt allerdings einfach überall gut klar - Grundnahrungsmittel gibt es auch auf dem Dorf. Da gibt's kein Wenn und Aber ;-)

7. Veganer leiden unter Proteinmangel

Ist tatsächlich eher selten der Fall. Klar Mischköstler nehmen quantitativ mehr Eiweiß zu sich. Aber das ist nicht immer vorteilhaft. Pflanzen sind voller essenzieller Aminosäuren, den Bausteinen der Proteine. Du solltest diese gut kombinieren - z.B. Hummus aus Kichererbsen mit Vollkornbrot. Denn Hülsenfrüchte enthalten viel Lysin und Vollkorn enthält viel Methionin - das perfekte Aminosäuremuster! Weitere gute Quellen sind Nüsse, Samen, Hefeflocken, Brokkoli und verschiedene Kohlsorten.

Menschen, die vermehrt Muskeln aufbauen wollen (z.B. Kraftsportler*innen) nehmen ggf. zusätzlich Proteine über verschiedene Shakes oder Smoothies zu sich.

8. Veganer haben schwache Knochen

Die Milchindustrie hat es über Jahrzehnte hinweg geschafft, uns ein Bild in den Kopf zu brennen: Glückliche Kühe auf der Weide, die leckere und vor allem unglaublich gesunde Milch geben. Ohne sie wachsen unsere Knochen angeblich nicht. Kinder bleiben klein und schwach. 

Es gibt keine einzige Studie, die beweist, dass Calcium aus Milch unsere Knochen und Zähne stärkt. Ganz im Gegenteil: in Ländern mit hohem Milchkonsum zeigen sich vermehrt Knochenfrakturen. Wichtig für starke Knochen sind pflanzliches Calcium, Vitamin D und viel Bewegung.

Da Veganer in den meisten Fällen sowieso vermehrt auf ihre Gesundheit achten und sich mit dem Thema auseinandersetzen, haben sie meist gesunde Knochen.

9. Veganer nehmen 100+ Tabletten

Mh, das ist mir neu. Ich persönlich nehme genau eine Tablette am Tag. Diese enthält Vitamin B12, denn dieses kann über Pflanzen nicht aufgenommen werden.

In den Wintermonaten nehme ich alle 3-4 Tage einen Tropfen Vitamin D

Alles andere ist optional und nicht unbedingt notwendig. Natürlich gibt es rein pflanzlich lebende Menschen, die noch ein paar mehr Supplemente zu sich nehmen, wie z.B. DHA (Fettsäure), Eisen, Jod, Selen oder Zink. Diese Nährstoffe können aber über eine vollwertig pflanzliche Ernährung ausreichend zugeführt werden.

Der ein oder andere Mischköstler sollte in der Tat selbst einmal über eine Supplementierung nachdenken, denn nur weil man tierische Produkte zu sich nimmt, heißt das lange nicht, dass der Körper mit allen essenziellen Nährstoffen versorgt ist.

 

Noch eine kleine Anmerkung: Aufgrund der immer schlechter werdenden Böden, der vielen Pestizide und der Umweltverschmutzung werden Supplemente in Zukunft eine

immer größer werdende Rolle spielen. Denn viele Lebensmittel weisen schon heute

eine geringere Nährstoffdichte auf als noch vor zwanzig Jahren.

10. Vegan leben ist nur ein Trend

Auf einige Menschen mag das zutreffen. Bei den meisten ist die Entscheidung allerdings ethisch begründet und baut auf einem Wertesystem, welches auf Mitgefühl und Liebe gründet.

Viele Menschen, die sich für eine rein pflanzliche Ernährung entscheiden, verschreiben sich einem komplett veganen Lebensstil. Da gehören neben der Diät viel mehr Dinge dazu (Kleidung, Kosmetik, Wohnen, etc.). Mal ganz ehrlich, selbst wenn Veganismus "nur" ein Trend wäre: Tieren kein Leid antun zu wollen und etwas mehr Empathie in diese Welt zu tragen, hat noch niemandem geschadet!

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